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Wandern auf den Spuren Jesu

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Photo used with permission from Alexander Fröhlich

Von Gabi Fröhlich (KNA)
Nazareth. Die beiden Wanderer erreichen die “Hörner von Hattim” nach etwa 20 Minuten Aufstieg – vor ihnen breitet sich das Blau des Sees Genezareth aus, hinter ihnen liegen im Dunst der Berg Tabor und Nazareth. “Jesus hat hier bestimmt oft gestanden, denn zu seiner Zeit führte eine wichtige Handelsstraße hier vorbei”, sagt David Landis (25). Der US-amerikanische Mennonit hat zusammen mit seinem israelischen Freund Maoz Inon (32) den “Jesus-Pfad” in Galiläa entworfen – einen Wanderweg auf den Spuren Jesu.

“Jesus ist nicht im Bus gereist, sondern zu Fuß”, betont David, der von sich selbst sagt, dass er die Bibel “jetzt mit ganz anderen Augen” lese als früher. Natürlich habe sich in den vergangenen 2.000 Jahren viel verändert, aber vieles sei auch gleich geblieben: Hügel, Täler, der See, Hirten mit Schafen, die Vögel und Blumen aus den Gleichnissen Jesu. Gemeinsam haben die beiden Hike-Fans eine 65 Kilometer lange Viertagesroute von Nazareth über Kanaa und Tabgha bis Kafarnaum entworfen, und eine ähnlich lange Fünftagesroute über den Berg Tabor für den Rückweg.

Heiligtümer und Aussichtspunkte

Im Internet unter www.jesustrail.com sind die Wege beschrieben. Dort gibt es auch Kurzinfos über die wichtigsten Heiligtümer und Aussichtspunkte mit passenden Bibelzitaten, Tipps für Unterkünfte und weitere praktische Hinweise. Wer ein GPS-Gerät hat, kann sich das entsprechende Programm dafür aus dem Internet herunterladen und sich dann vom Computer Schritt für Schritt auf den Spuren Jesu leiten lassen. Wer kein eigenes Gerät hat, kann sich eines in der von Maoz betriebenen Jugendherberge in Nazareth mieten.

Der israelische Jungunternehmer hat mit seiner Frau schon spektakuläre Landschaften in der ganzen Welt durchwandert: Kalifornien, die Anden und vieles mehr. Aber das Heilige Land habe etwas zu bieten, was es nirgendwo sonst gebe: “Wenn ich als Jude an der Stelle stehe, wo David Goliath gegenüberstand, bekomme ich eine Gänsehaut”. Maoz fand, dass aus dem Land der Bibel für Wanderer noch sehr viel mehr zu machen sei – vor allem für die zahllosen christlichen Pilger. In David fand er einen begeisterten Mitstreiter für sein Projekt.

Dialog zwischen den unterschiedlichen Kulturen

Auch der amerikanische Webdesigner ist schon viel umhergewandert: nach Santiago di Compostela, auf den Spuren des Heiligen Paulus und quer durchs Himalaya. Die Heimat Jesu jedoch bezeichnet er als besonders interessant, “weil man auf kurzer Strecke durch die unterschiedlichsten Landschaften kommt”. Zudem sei die Route des Jesus-Pfades so gelegt, dass der Wanderer mal in einem arabischen Dorf, mal in einem jüdischen Kibbutz, mal in einem drusischen Kloster raste. David und Maoz hoffen, dadurch dem Tourismus in der Region neuen Schwung zu geben und den Dialog zwischen den unterschiedlichen Kulturen zu fördern.

Für den Jesus-Pfad haben sie bestehende israelische Wanderwege mit Feldwegen und einzelnen Straßenabschnitten so miteinander verbunden, dass ein durchschnittlicher Wanderer sich die Stationen des Evangeliums auf möglichst kurzer und dabei reizvoller Strecke erlaufen kann. Wegeschilder gibt es bislang nicht, aber eine Karte ist in Arbeit und soll im Sommer erscheinen. Die beiden rechnen zudem damit, dass der Jesus-Pfad bald populär und dann auch mit besserer Infrastruktur versorgt wird.

Pläne des Tourismusministeriums

Im israelischen Tourismusministerium brütet man zwar schon seit Jahren über den Plänen für einen “Evangeliums-Pfad” in Galiläa, aber Maoz fürchtet, dass der Verwirklichung noch ein langer bürokratischer Weg bevorsteht: “Wir müssen selbst anfangen und nicht darauf warten, dass die Welt von oben verbessert wird.” Die beiden hoffen jedoch, dass “andere sich uns bald anschließen und den Weg ausweiten werden” – vielleicht sogar durch das Westjordanland bis nach Bethlehem und Jerusalem.

Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH,
13.05.2008 / Foto: Michael Bönte
(translated into English)

Download the mp3 file from KNA/Vatican Radio – used with permission from Gabi Fröhlich – part 1part 2part 3

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